Freitag

Gestern waren wir zum Mittag mit Freunden des Lions Club aus Windhoek verabredet. Sie haben eine Art Makler ausfindig gemacht, der uns bei der Suche nach einem Grundstück behilflich sein soll. Der Mann bringt den ehemaligen Bürgermeister mit. Da gehen bei mir alle Alarmglocken an. Ich habe gelesen, dass dieser wegen krummer Geschäfte vor rund vier Jahren abgesäbelt wurde. Korruption, Grundstückskriminalität etc. Auf die Frage eines unserer Lionsfreunde, was er beruflich jetzt mache, sagte er, er sei im Business tätig. Alles klar. Höflicherweise lassen wir uns drei Grundstücke zeigen, und dann verabschieden wir uns schnell. Wir sind uns alle einig, dass wir mit der „Olsenbande von Okahandja“ keine Geschäfte machen werden.

Wir stehen mitten in den Townships, da überrennt uns ein ganz fieser Sandsturm. Man ist nicht schnell genug an den Autos, einmal Sandstrahlung und Peeling für die Haut! Sehen wir es positiv. Schnell tauschen wir – nach Lions Tradition – unsere Clubwimpel aus, und dann geht’s ab zum Supermarkt.

Bestellte Torte (Danke an meine Freundin Angelika – sie ist der Sponsor) abholen. Und auch Cola, Obst und Süßigkeiten wandern in den Einkaufswagen, und dann geht es auf zum Kindergarten.

Das neue Haus wurde im Inneren mit den Überresten meiner letzten Silvesterfeier geschmückt. Kinder und Eltern (sogar einige Väter!) haben sich fein gemacht. Der Pastor kommt in einem festlichen Anzug. Auch unser Bauleiter Thomas sieht wie ein Model aus. Nur wir drei Europäer traben mit unserer versandstrahlten Freizeitkluft an. Peinlich.

Alle nehmen in der neuen Hütte Platz, es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis alle sitzen. Für uns wurde ein Festpodium aufgebaut, und dann geht es los mit einer sehr emotionalen Rede des Pastors. Wir verstehen kein Afrikaans, aber wir verstehen Emotionen, und beim gemeinsamen Gebet fühle ich mich wie in Trance.

Danach gibt es eine Rede der Vertreterin des Schulkomitees (wir wundern uns, wen Toini alles eingeladen ha!) und eine Rede der Elternvertreterin. Beide Reden haben wir mal abfotografiert, weil hier auch besonders dem Lions Club und Gottfried Brenner gedankt wird.

Danach bin ich an der Reihe. Ich habe eine kurze Rede auf Englisch verfasst und danach eine Mutter gebeten, diese mir auf Oshiwambo zu übersetzen.

Mir war es wichtig, dass die Menschen spüren, dass man sich mit ihnen beschäftigt und nicht einfach Geldgeber ist. Ich mag Oshiwambo und habe sicherlich für ein bisschen Gelächter gesorgt. Nach einem kurzen Programm der Kinder wurde endlich die Torte angeschnitten und die Cola verteilt. Die Musikbox legt los und die afrikanische Tanzeslust bricht aus, sogar bei unserer Cordula.

Kinder aus der Nachbarschaft stehen am Zaun, wagen sich auf das Grundstück, kommen immer näher ans Haus. Es ist genug Torte für alle da, so dass auch sie ein Stück abbekommen.

Keiner, wirklich keiner kommt auf die Idee, nach einem zweiten Stück zu fragen. Diese Bescheidenheit und Achtung untereinander gefällt mir immer wieder. Enrico öffnet die Autoklappe und ruck zuck stehen die Kinder, wie auf einer Bühne im Laderaum und tanzen zur Musik. Eine gelungene Feier. Plötzlich setzen sich alle wieder in die Hütte auf ihre Plätze. Was nun? Wir wollen uns gerade verabschieden und wegfahren, denn wir haben 19:00 Uhr noch einen Termin mit Silke und wollen uns noch mal frisch machen. Doch der Pastor hält erneut eine Rede, wieder wird gemeinsam laut und in unterschiedlichsten Sprachen gebetet. Und das ist dann auch das gemeinsame Ende. Sehr gut! Müde steigen wir in unseren Bus mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch.